Eine Begegnung, die mein Leben verändert hat.
Vor einigen Jahren, ich war circa 20 Jahre alt und lebte in einer kleinen Studenten-WG in Würzburg, habe ich eine ganz besondere Begegnung mit Jesus gehabt, die meine Beziehung zu ihm stark geformt und vertieft hat.
Schon seit meiner Jugend habe ich mit psychischen Problemen zu kämpfen gehabt. Zuhause war es nicht immer einfach und anstatt mich jemandem anzuvertrauen, habe ich meine Kämpfe lieber ganz leise mit mir selbst ausgetragen. Schließlich sind viele Christen traurigerweise beim Thema psychische Gesundheit auch nicht immer die besten Ansprechpartner… Ich habe viele Jahre lang eine Dunkelheit in mir getragen und dachte, dass ich damit allein klarkommen müsste und dass ich mir nur genug Mühe geben müsste, damit alles besser wird. Heute weiß ich, dass ich viele Jahre lang Depressionen hatte und sie aber nicht erkannt habe.
Damit du dir unter Depressionen etwas vorstellen kannst, erkläre ich sie dir kurz. Depressionen sind eine psychische Krankheit, die meistens in Episoden kommt. Das heißt, dass sie wie eine Welle in dein Leben rauscht, dich einmal richtig umwirft und unters Wasser drückt und dann geht sie wieder, als wenn sie nie da gewesen wäre. Und das kommt immer wieder. Episoden können ein paar Wochen oder sogar Monate dauern und die guten Zeiten dazwischen Wochen, Monate oder Jahre anhalten. Wenn eine Episode kommt fühlt sich das für jeden anders an und bei den meisten Menschen wirst du von außen wahrscheinlich gar nichts merken. Bei mir war es so, dass sich meine To-Dos, die ich sonst easy geschafft hätte, plötzlich nach überwältigend viel Arbeit anfühlte. WhatsApp Nachrichten zu beantworten war so unmöglich, wie unter Wasser zu atmen. Es kam eine ganz tiefe Traurigkeit über mich, die mich so sehr an mein Bett fesselte, dass ich zeitweise tagelang nur aufstehen konnte, um ins Bad zu gehen. Alles ist schwer, sogar ein Brot zu schmieren war für mich zu viel, aber ich hatte ohnehin keinen Hunger. Es gab Phasen, in denen ich eine Woche lang nichts gegessen habe und sogar über zwei Tage nichts getrunken habe, ohne es zu merken – glaub mir, der erste Schluck Wasser danach hat sich ganz komisch angefühlt. Depressionen verändern deine Gedanken und zeitweise deine Persönlichkeit. Diese Krankheit ist ganz gruselig, weil man dich so schrecklich fühlt, aber oft glaubt, man sei selbst daran schuld.
Mitten in einer solchen Episode kam Jesus zu mir. Seit einigen Tagen hatte ich meine Wohnung nicht mehr verlassen. Es waren Semesterferien und ich war allein in der Stadt, keine Uni, keine Arbeit und meine Freunde waren alle unterwegs. Ich war ganz allein und ganz ganz tief am Boden. Essen hatte ich gar nicht mehr in der Wohnung, aber ich hatte ja auch keinen Hunger. Und seit Tagen tat ich das Einzige, was ich noch tun konnte, das Einzige, was mir noch helfen konnte.
Ich kniete auf dem Boden meines Zimmers, betete und flehte Jesus um Hilfe an. Niemals hätte ich geahnt, dass er wirklich antworten würde.
Während ich noch auf dem Boden kniete, spürte ich Jesus neben mir. Ich spürte, wie er mich mit Kraft füllte und meine Hand nahm, um mir aufzuhelfen. Er lud mich auf einen Spaziergang ein und ich kam mit. Meine ungewaschenen Haare waren mir ganz egal, ich zog den ersten Pullover aus dem Schrank, den ich finden konnte und schlüpfte in meine Schuhe. Plötzlich war ich erfüllt mit Freude und das Schwere wich langsam von mir.
Jesus wollte mit mir spazieren gehen!
Ganz aufgeregt schritt ich aus meiner Wohnung und raus an die frische Luft. In der Nähe meiner Wohnung liegt ein schöner Park und dorthin machten wir uns auf den Weg. Mein Jesus und ich.
Er, der schon längst alles für mich getan hatte und am Kreuz starb, den Tod besiegte und den Vorhang, der uns von unserem himmlischen Vater trennt, zerriss, Er nahm mich an die Hand und führte mich aus meiner Dunkelheit ins Licht.
Ich konnte es gar nicht glauben – passiert das gerade wirklich? Oder bin ich ganz verrückt geworden und bilde mir das alles nur ein? Sehen konnte ich ihn nicht, aber ich spürte ganz genau, wie Jesus meine Hand hilt und mich durch den Park begleitete. Ganz andächtig ging ich mit ihm vorbei an bunten Blumenbeeten und plätschernden Bächen. Es war so heilsam für meine Seele mit Jesus zu gehen und ihn ganz bewusst wahrzunehmen.
Viel zu schnell war unser Spaziergang auch schon vorbei und ich stand vor meiner Wohnungstür.
Wieder zuhause angekommen war nicht alles wie auf Knopfdruck besser. Ich habe es nicht noch am gleichen Tag geschafft Lebensmittel einzukaufen, um wieder Essen im Haus zu haben, aber am nächsten Tag hatte ich die Kraft dazu. Ich war nach der Begegnung auch nicht direkt geheilt, es war noch nicht sein Plan mich gesund werden zu lassen und das war auch gut so. Mit jeder neuen Depressionswelle habe ich noch ganz viel über mich und über Gott gelernt und dadurch, dass ich diese Krankheit richtig kennengelernt und verstanden habe, war ich mit so viel Wissen und Tricks ausgestattet, dass ich schon einigen Menschen helfen durfte.
Es war nicht gleich alles heile, aber heile brauchte ich auch gar nicht. Ich durfte etwas viel wertvolleres empfangen – eine Begegnung mit Jesus! Er hat mir gezeigt, dass er mich sieht – auch im dunkelsten Tal, sieht er mich und er weiß, wie es mir geht und wie meine Seele sich fühlt. Dabei verurteilt er mich kein bisschen. Für das, wofür mich andere Christen und ganz besonders ich selbst mich verurteilt habe, zeigt er mir Liebe und Gnade.
Diese Begegnung mit Jesus hat mich zum ersten Mal wirklich erkennen lassen, wie viel ich ihm bedeute, dass ich Gott wichtig und wertvoll bin. Ich unwichtiger, kleiner Mensch bin dem Herrscher der Welt nicht egal, ganz im Gegenteil, er sorgt sich und kümmert sich um mich. Das tut er auch in den Momenten, in denen ich ihn nicht spüre und das habe ich in diesem Moment klar sehen dürfen. Denn er hat sich genau in einem solchen Moment gezeigt, in einer Zeit, in der ich mich vollkommen verlassen und allein fühlte.
Und genauso, wie Gott mich gesehen hat, so sieht er auch dich! Wir können seine Gegenwart nicht immer wahrnehmen, aber er ist dennoch da. Ganz nah bei dir. Ich bin mir sicher, dass du diese Zeiten kennst, in denen du durch Schmerz oder Leiden gehst und du nicht verstehst, warum du dich so allein fühlst und ich wünsche dir, dass Jesus dir auch ganz nah und ganz besonders begegnet und dass meine Begegnung mit ihm dir eine Ermutigung ist. Ich wünsche dir, dass sie dich an Momente erinnert, in denen Jesus dir schon selbst ganz persönlich begegnet ist und dir gezeigt hat, dass er dich liebt. Wir vergessen diese Momente viel zu schnell, also lasst uns uns gegenseitig ermutigen und uns daran erinnern, dass Jesus sich auch heute noch seinen Kindern zeigt!
Gott schreibt auch in deinem Leben ganz besondere Geschichten, ich wünsche dir, dass du seine Zeichen siehst und dich immer wieder daran erinnerst.
Von Herzen,
Amy


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