Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte; mir mangelt nichts.

Psalm 23 ist vermutlich einer der bekanntesten Psalmen oder sogar Bibelstellen allgemein. Wenn du als Kind in der Kirche eine Kinderstunde besucht hast, dann hast du bestimmt auch schon diese sechs Verse auswendig lernen sollen, oder? Ich muss ehrlich sagen, dadurch, dass diese Bibelstelle einfach überall war und so oft in jeden Kontext eingebaut wurde, hat sie mich früher nie so ganz interessiert. Erst als ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin, hat dieser Psalm mich ganz neu angesprochen.

Ich habe damals nach schönen, ästhetischen und christlichen Postern gesucht und ein sehr schönes mit Psalm 23 gefunden und auch in meinem Zimmer aufgehängt. Das hübsche Poster hat meinen Blick immer wieder gefangen und ich habe den Psalm wieder und wieder überflogen und mein Blick hielt sich immer länger an dem Poster fest. Nach und nach entfaltete sich die Schönheit des Psalmen vor meinen Augen und ich begann ihn langsam doch auswendig zu lernen, mit etwa 15 Jahren Verspätung. Meine Gedanken wandten sich dem Psalm immer öfter zu, wenn ich aus meinem Gedankenkarussell fliehen wollte und er wurde zu einem Ort der Ruhe für mich.

Lass uns doch Psalm 23 gemeinsam lesen, bevor ich anfange meine Gedanken zu teilen.

1 Ein Psalm Davids.
1 Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. 
2 Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.
3 Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und wenn ich auch wanderte durchs Tal des Todesschattens, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, die trösten mich. 
5 Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über. 
6 Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar.

Psalm 23

David selbst war ein Hirte. Er selbst hat die Schafe seines Vaters gehütet, bis Gott eine neue Berufung für ihn hatte. Ich stelle mir vor, wie David eines schönen Tages in seinem Palast saß und seine Gedanken schweifen lies. Er dachte zurück an sein altes Leben, an die harte Arbeit, die er als Hirte leisten musste. Wie er sein Leben nach den Bedürfnissen der Schafe seines Vaters auslegen und wenn ein Raubtier kam, sogar um ihr Leben kämpfen musste. Und als er an die süßen und oft etwas dümmlichen Schafe und die kleinen Lämmchen, mit denen er so viel Zeit verbracht hatte, dachte, fiel ihm auf, wie sehr er doch einem solchen Schaf glich, wessen Hirte Gott, der Herr ist. Wie seine Schafe sich vollkommen auf ihn verließen, so verlässt er sich auf seinen guten Hirten. Er hatte seine Schafe immer mit all dem versorgt, was sie brauchten und auch er musste nie Not leiden, weil sein guter Hirte auch ihn mit all dem versorgte, was er zum Leben brauchte.

„Mir mangelt nichts.“ Wie leicht geht dir dieser Satz über die Zunge? Bei mir kommt es da ehrlicherweise auf den Tag an. An manchen Tagen könnte ich glatt eine ganze Liste schreiben, mit Sachen, an denen es mir eben doch mangelt und an manchen Punkten tut es etwas weh zuzugeben, dass es am Ende des Tages nichts ist, was ich tatsächlich brauche. Denn Gott versorgt mich mit absolut allem was ich brauche und wie oft meinen wir Dinge zu brauchen, die wir eigentlich gar nicht nötig haben. Das klingt jetzt vielleicht so, als würde Gott uns in Armut leben lassen wollen, aber wenn wir in Vers 5 schauen steht dort:

Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über.

Mein Becher fließt über. In anderen Übersetzungen spricht der Autor von einem reich gedeckten Tisch. Gott gibt buchstäblich im Überfluss!

In Vers 4 sagt der Psalmist:

Und wenn ich auch wanderte durchs Tal des Todesschattens, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, die trösten mich.

Das Tal des Todesschattens klingt schrecklich, es klingt nach einem Ort über den spürbar der Tod, das Böse seinen Schatten wirft. Durch dieses Tal zu gehen klingt absolut furchterregend und dennoch führt der gute Hirte seine Schafe durch dieses Tal. Doch sein Stecken spendet Trost. Ich habe mich gefragt, warum gerade ein Stock so tröstend für die Schafe ist und habe etwas recherchiert, was eigentlich die Funktion eines Hirtenstabs ist. Zum einen nutzt der Hirte seinen Stab, um seine Schafe zu führen und zu lenken. Er zeigt ihnen den Weg und richtet sie wieder aus, wenn sie vom richtigen Weg abgekommen sind. Und zum anderen dient der Stecken der Verteidigung und dem Schutz. Der Hirte nutzte seinen Stecken, um seine Schafe vor Angreifern, wie etwa Schlangen oder Raubtieren, zu schützen und zu verteidigen. Die Schafe können also getrost durch das dunkelste Tal gehen, weil sie sich darauf verlassen können, dass der Hirte sie leiten und nicht vom Weg abkommen lassen wird und sie auch vor allem bösen beschützen wird. Der Anblick des Stabes schenkt ihnen Trost.

Der Psalm endet mit einem Versprechen des Psalmisten an seinen Gott:

ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar.

Wie seine Schafe David gefolgt sind, wohin er auch ging, so möchte auch er nah bei seinem guten Hirten bleiben. Nach all dem, was er über den guten Hirten schreibt, gibt es auch sicher keinen schöneren Platz auf der Welt, als an der Seite Gottes.

Danke Vater, dafür, dass du unser guter Hirte bist. Danke dafür, dass du uns versorgst und uns im Überfluss beschenken möchtest. Ich danke dir dafür, dass wir bei dir Schutz und Leitung finden, in den Zeiten, in denen Todesschatten über unserem Leben hängen und uns Angst machen wollen. Ich möchte dir nah sein und mein Leben lang an deiner Seite bleiben. Gib mir ein dankbares Herz und hilf mir, mich von dir leiten zu lassen. Amen

Von Herzen,

Amy


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